Im zweiten Halbjahr 2020 hatte Deutschland zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder die EU-Ratspräsidentschaft inne und damit auch die Ehre, informelle Ministerratssitzungen zu verschiedensten Politikbereichen in deutschen Städten abzuhalten. Grund genug für die Europäische Kommission, das Projekt #Einmischen aufzulegen. Die Idee dahinter? Vor jeder der 16 informellen Ratssitzungen sollte ein Workshop mit Jugendlichen stattfinden, bei dem die jungen Leute eigene Politikziele und Forderungen formulieren, die den jeweiligen Fachminister*innen vor ihren Sitzungen übermittelt werden. So standen im Februar nicht nur die letzten Präsidentschaftsvorbereitungen in deutschen Ministerien an, sondern auch wir von planpolitik in den Startlöchern, um in ganz Deutschland frische Ideen aus den Jugendlichen herauszulocken und ihnen zu helfen, ihre Stimme in und für Europa zu erheben. 

Dann kam die erste Welle der Pandemie und warf unsere Planungen komplett über den Haufen. Für den Moment war das tragisch, retrospektiv aber ein Glücksfall. Denn Dank der Pandemie – und der beispiellosen Flexibilität unserer Auftraggeberin - haben wir es geschafft, beteiligungsorientierte Planspielworkshops zu entwickeln, bei denen Jugendliche nicht nur in die Rollen von Politiker*innen schlüpfen und online Ratssitzungen simulieren, sondern anschließend in einem Feuerwerk digitaler Methoden kreativ Forderungen entwickeln, um diese in Form von GIFs, Memes, Comics und Videos an die Entscheider*innen im Rat der EU zu richten. 

Letztlich konnten einige der Workshops sogar noch in Präsenz stattfinden, aber methodisch, so viel steht fest, gibt es kein Zurück. Zwar bevorzugen die meisten von uns den direkten Kontakt mit unseren Workshopteilnehmer*innen; liebgewonnene Online-Methoden haben aber längst einen festen Platz in unseren Workshops – auch wenn sie ganz klassisch vor Ort stattfinden.

Und noch eine schöne Erkenntnis haben wir in einem halben Jahr auf den Fersen der Ratspräsidentschaft erlangt: In Zeiten des Populismus und grassierender Verschwörungsideologien zeigt sich die junge Generation resilienter als der Durchschnitt. Ob Klimaschutz, Migrationspolitik, Sicherheitszusammenarbeit oder Digitaler Wandel – für sie steht fest, dass Europa Teil der Lösung sein muss. Und für uns steht fest, dass wir jungen Menschen weiter anregen wollen darüber zu streiten, wie genau diese Lösung aussehen soll. 

Ähnliche Projekte

Interaktive Bildungsmodule

EuropaCamp – Europa auf Augenhöhe diskutieren

Ein Wochenende, mehrere Tausend Besucher*innen, alles im Zeichen Europas – Das sind die Eckpunkte der EuropaCamps der Zeit-Stiftung, bei dem...

Interaktive Bildungsmodule

Simple Ideen für ein solidarisches Miteinander?

Am Anfang stand das Video-Planspiel „Die üblichen Verdächtigen“. Dieses war im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Programm Respekt Coach entstanden...

Interaktive Bildungsmodule

Europa nach dem Baukastenprinzip

Unser Portal Europa unterrichten [https://www.europa-unterrichten.de] bietet Materialien für interaktive Workshops und beteiligungsorientierten Unterricht und richtet sich an Lehrkräfte und Trainer*innen...

Interaktive Bildungsmodule

Europäische Werte? Endlich mal verständlich!

„Translating European Values into Practice“ – nichts weniger als das hatten wir uns im Rahmen dieses Erasmus+ Projekts vorgenommen. Ziel...

Interaktive Bildungsmodule

Kleine Große Schritte gegen Ausgrenzung und Extremismus

Was unterscheidet eine rechtsextreme Ansprache auf einem Liverpooler Sportplatz von einer ähnlichen Situation in Berlin oder dem ländlichen Bayern? Wie...

Planspiele, Interaktive Bildungsmodule

„Ein Leben in Deutschland“

Die Treuhand - je nach politischer Perspektive ist sie entweder allein verantwortlich für einen „Ausverkauf des Ostens“ oder ihre Arbeit...

Senden Sie uns eine E-Mail